Es ändert sich was. Durch die US-Politik wird vielen Menschen immer bewusster, in welcher Abhängigkeit sie sich zu Software aus den Vereinigten Staaten befinden. Microsoft, Google und weiß der Geier. Gesetze wie der Cloud Act oder Patriot Act zeigen deutlich, wer am Ende die Kontrolle hat. Das es aus den USA kommt ist ja auch klar, es gibt eben kaum gute oder konkurrenzfähige Alternativen aus der EU. Wieso wohl? ;)

Das eigentliche Problem: Abhängigkeit bleibt Abhängigkeit

Viele machen aber einen Fehler. Es wird propagiert, die Abhängigkeit von US-Diensten zu kappen und stattdessen auf EU-Dienste umzusteigen. Das ist oft nur ein Wechsel vom einen Big Brother zum anderen. Der kleine Big Brother kann den großen früher oder später genauso überholen.

Man hat begriffen dass eine Abhängigkeit von X schlecht ist, aber warum eine von Y plötzlich gut sein soll, soweit denken die Leute nicht. Begreifen ist hier wohl das falsche Wort. Es wurde ihnen halt so gesagt.

Warum Open Source der bessere Maßstab ist

Was wäre nun die richtige Lösung? Anstatt Software an ihrem Herkunftsland zu messen, sollte man schauen, ob sie frei ist oder nicht. Mit frei meine ich Open Source.

Ja, Open-Source-Software hat einen schlechten Ruf. Der kommt meistens von denen, die sie nicht nutzen oder nicht mal ausprobiert haben. Ja, sie sieht oft etwas altbackener aus als die Konzernprodukte und in manchen Features ist sie schwächer. Trotzdem gibt es gute Gründe für den Umstieg.

1. Sicherheit durch Transparenz

Open-Source-Software ist in vielen Fällen sicherer, weil der Quellcode einsehbar ist und viele Entwickler darauf schauen können. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit versteckter Malware oder manipulativer Funktionen deutlich.

Viele Projekte durchlaufen regelmäßige Sicherheitsaudits durch unabhängige Prüfer. Ein gutes Beispiel ist Bitcoin: vollständig Open Source, für jeden einsehbar, seit Jahren unter permanenter Beobachtung und Angriffen.

Bei proprietärer Software werden Sicherheitslücken oft erst bekannt, wenn es schon zu spät ist. Regelmäßige Datenlecks großer Konzerne zeigen das immer wieder.

2. Kosten und Vendor Lock-in

Open-Source-Software ist in den meisten Fällen kostenlos. Rechne mal zusammen, was du monatlich für Software und Apps zahlst: Streamingdienste, Cloud, Office-Suite, Foto- und Videobearbeitung.

Viele dieser Angebote bauen bewusst Abhängigkeiten auf: proprietäre Dateiformate, erschwerte Exporte, geschlossene Ökosysteme. Dieser Vendor Lock-in ist gewollt. Einmal drin, kommst du nur schwer wieder raus, ohne Daten oder Workflows zu verlieren.

Wenn du dein digitales Leben auf solchen Diensten aufbaust und die Preise oder Anforderungen Jahr für Jahr steigen, sitzt du fest.

3. Anpassbarkeit und Kontrolle

Bei freier Software kannst du anpassen, was dir fehlt. Fehlt ein Feature? Passt etwas nicht? Dann bist du nicht auf den Hersteller angewiesen. Du kannst forken und deine eigene Version bauen.

Für viele Normalnutzer ist das kein täglicher Use-Case. Aber die Möglichkeit zählt. Freiheit ist dann real, wenn die Option existiert.

Die Trade-offs ehrlich benennen

Natürlich gibt es auch hier Trade-offs. Viele Open-Source-Projekte sind nicht primär kommerziell und oft von kleinen Teams getragen. Design und Usability können schwächer sein, und man muss sich umgewöhnen.

Außerdem werden manche Projekte irgendwann nicht mehr aktiv weiterentwickelt. Der Unterschied zur Konzernsoftware: Du kannst sie im Zweifel selbst weiterführen oder in eine Community wechseln, statt einfach vor abgeschalteten Servern zu stehen.

Praktischer Umstieg in Etappen

Steig nicht von heute auf morgen komplett um. Teste erst einzelne Programme parallel zu deinen gewohnten Tools, gewöhne dich daran und wechsle dann Schritt für Schritt.

Ein großer Vorteil von Open Source ist die Community: In Foren und auf Plattformen wie GitHub oder Reddit findest du fast immer Hilfe, wenn du nicht weiterkommst.

Konkrete Empfehlungen

Schau dir dein digitales System an: Welche Programme nutzt du? Prüfe, ob sie Open Source sind. Wenn nicht, suche Alternativen.

Kostenpflichtige Programme solltest du wegen Kosten und Lock-in kritisch prüfen. Bei kostenlosen proprietären Programmen zahlst du oft mit Daten.

Ein paar Empfehlungen zum Einstieg:

  • Betriebssystem: Linux (anfangs ggf. als Dual Boot neben Windows)
  • E-Mail: Thunderbird
  • Browser: Firefox
  • Notizen: Joplin oder Logseq
  • Office-Suite: LibreOffice oder OpenOffice
  • Passwort-Manager: KeePass
  • Messenger: Signal

Es gibt deutlich mehr Optionen. Am Anfang ist viel Testen nötig. Aber der wichtigste erste Schritt ist klar: weg von geschlossenen Abhängigkeiten.

Nächster Schritt: Selbsthosting

Der zweite Schritt für Erfahrene ist Selbsthosting. Das ist der nächste Hebel für echte digitale Souveränität und kommt in einem Folgebeitrag.

← Alle Texte